Gerichte in Lobberich


Oberster Richter war seit je her der Landesherr, und damit der Graf (später Herzog) von Geldern. Dies blieb so, bis 1673 die Rechte der Gerichtsbarkeit an zahlungskräftige Adelige verkauft wurde.

In Lobberich kaufte Gilles Werner von Bocholtz dieses Recht. Seine Familie war hier seit dem 14. Jahrhunderten auf Burg Bocholtz ansässig.

Die Familie war 125 Jahre im Besitz dieser Rechte die 1798 durch französisches Dekret aufgehoben wurden.

Im Vertrag war festgelegt, dass Gilles Werner von Bocholtz auch die Schöffen, den Schultheiß einsetzen durfte. Dieser war als Vorsitzender der Schöffen nicht an der Urteilsfindung beteiligt, er verkündete aber die Urteile und war für die Vollstreckung verantwortlich.

(Mit verkauft wurden eine Reihe anderer Rechte, die zusammen die "Herrlichkeit Lobberich" genannt wurden und 10.400 Pfund einbrachten.)

Die 6-7 Schöffen, die für Lobberich seit der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts belegt sind, waren zunächst für alle Arten Verbrechen, von Diebstahl bis Mord zuständig. Bei schwerwiegenderen Fällen holte man sich allerdigs Hilfe beim übergeordneten Gerichten (woraus der Instanzenweg entstand).

Die beim Schöffengericht Tätigen haben sich im Laufe der Zeit mehr und mehr auch mit Verwaltungsaufgaben befasst: Sie halfen dem Landesherrn als örtlich Vertraute bei der Aufstellung von Wehrpflichtigen und bei der Eintreibung von Steuern.
(Ab der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts wird aber dafür bereits ein "Schatzheber" eingestellt.) 

Erst später wurden sie selbständiger und vertreten auch schon mal die Interessen der Einwohner gegenüber dem Landesherrn.

In der Franzosenzeit (Einmarsch 1792, dann Rückzug und Rückkehr 1794) wurden nun erstmals  1798 Gericht und Verwaltung strikt getrennt, auch die Gesetzgebung (Rat der Gemeinde) wurde jetzt eingeführt.
Die Schöffengerichte wurden durch sog. "Friedensgerichte" abgelöst.
Auch Lobberich bekam ein Friedensgericht. Diese waren unterste Instanz in Zivilsachen und seit 1811 auch unterstes Straf- und Polizeigericht.

Als die Preußen (seit 1814 - Wiener Kongress - wieder die Herren im Land) 1821 das Gerichtswesen neu strukturierten, blieb der Sitz des Friedensgerichtes erhalten, 1837 kam noch ein staatliches Handels- und Gewerbegericht hinzu, und ein staatliches Polizeigericht.

Aus dem Friedensgericht ist später das Amtsgericht hervorgegangen, das bis heute seinen Sitz in Lobberich hat.

Auf der Süchtelner Straße noch zu sehen:
der Eingang zum ehemaligen Königlich preußischen Gericht:

Hier das Siegel:

Das Amtsgericht heute (Steegerstraße):

Als der Anbau (im Bild rechts) fertiggestellt wurde, gab
es noch kurz etwas Aufregung um das Windspiel:
Darf sich Justitia nach dem Winde drehen?!

Literatur Dohms 128ff


Lesen Sie einen Bericht der Westdeutschen Zeitung vom 7. Oktober 2004:
"125 Jahre Amtsgericht Lobberich"


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