Die Urkunden im Archiv der Pfarre St. Sebastianus in Nettetal - Lobberich
bis zum Jahre 1600

von Klaus Johannes Dors


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I. Geschichtlicher Überblick

1. Aus der Siedlungsgeschichte Lobberichs

2. Die Entstehung der Pfarre Lobberich

3. Die kirchliche Zugehörigkeit der Pfarre St. Sebastianus zu Lobberich bis heute

4. Der Lobbericher Zehnte und seine Zehntherren

5. Die Lobbericher Pfarrer und Kapläne bis 1600

6. Aus Lobberich gebürtige Geistliche bis zum Jahre 1600

7. Die Lobbericher Pfarrkirchen

8. Das Archiv der Pfarre St. Sebastianus

II. Erläuterungen zur Arbeitsmethode

1. Text und Urkundenbezeichnung

2. Zeichen und Abkürzungen


I. Geschichtlicher Überblick

1. Aus der Siedlungsgeschichte Lobberichs

Das Gebiet des Kirchspiels Lobberich zählt zweifellos zu den ältesten Siedlungsräumen im Kempen-Krefelder Grenzgebiet.

Die Besiedlung des Lobbericher Gebietes lässt sich bis in die vorgeschichtliche Zeit nachweisen. Die ältesten gesicherten Funde stammen aus der Jungsteinzeit. Im August 1926 konnte der aus Lobberich gebürtige Professor Dr. Dr. Albert Steeger am "Rosental" in Lobberich den bedeutendsten Lobbericher Steinzeitfund bergen, der heute als "Lobbericher Schatzfund" zum Ausstellungsbestand des Rheinischen Landesmuseums in Bonn gehört. Der Fund besteht aus der Schmalseite eines Felsgesteinbeiles, einem Klingenmeißel, einer polierten Streitaxt, zwei Schabern und zwei Messerchen. (1) Auch an zahlreichen anderen Stellen im Lobbericher Gebiet konnten Funde der Jungsteinzeit sichergestellt werden, die heute zum Teil der geschichtlichen Sammlung der Stadt Nettetal eingegliedert sind. Diese Funde machen, in Zusammenhang mit einer in Lobberich freigelegten Eisenschmelze und verschiedenen Urnen aus der Eisenzeit, "die Existenz neolithischer und späterer Siedlungen" im Raume oder in unmittelbarer Nähe Lobberichs wahrscheinlich. Allerdings ist kaum anzunehmen, dass diese Besiedlung kontinuierlich gewesen ist. (2)

Nachdem die Römer das Gebiet am Niederrhein erobert hatten, legten sie eine Reihe von Festungen an, die durch "Heerstraßen" miteinander verbunden waren. Eine solche Heerstraße von Nymwegen nach Aachen verläuft, auch heute noch erkennbar, östlich von Lobberich entlang dem Viersener Höhenrücken. In unmittelbarer Nähe dieser Straße, die auch Karls-, Caar- und Steinstraße genannt wird, wie auch im engeren Ortsgebiet Lobberichs wurden zahlreiche römische Aschenurnen, Münzen und Krüge gefunden. (3)

A. Fahne von Roland vertritt sogar die Ansicht, dass der Name "Lobberich" römischen Ursprungs ist. Er schreibt: "Den Namen trägt es (das Kirchspiel, d. V.) von dem Hauptorte, dem Kirchdorfe Lobberich, und dieser scheint aus einer römischen Niederlassung der Familie Lupercus hervorgegangen zu sein. Hierfür spricht der Name (s.u.), die Tatsache, dass fast alle alten rheinischen Herrensitze sich auf römische Ansiedlungen gründen (hier meint Fahne den Sitz der ehemaligen Lobbericher Grundherren, die Burg Bocholtz in unmittelbarer Nähe der vorhin erwähnten römischen Heerstraße, d. V.), das frühe Vorkommen des Orts, die Dedication seiner Kirche an den heiligen Sebastian ...." (4)

In einer Anmerkung zum Namen "Lobberich" meint Fahne weiter: "Die Ortschaften auf "ich" in unserer Gegend sind, wie viele Beispiele zeigen, aus der römischen Endsilbe "iscum" entstanden, so Élvenich aus Albiniacum, Blerich aus Bleriacum, Geminich aus Geminiacum, (usw. d V.) ....Nach dieser Analogie würde Lobberich römisch Luperiacum geheissen haben und dieses führt auf Mumius Lupercus, den römischen Legaten und tapferen Verteidiger von Vetera, der in dortiger Gegen nicht vereinzelt steht, denn ein früher zu Kleve aufgewahrter, in dortiger Gegend gefundener Stein mit der Inschrift: DIIS. MANIBUS. VITALINO. LUPERCO. MILITI. LEGIONIS. TRICESIMAE. ULPIAE. VICTRICIS. MARCUS ULPIUS. VERECUNDUS. Weist einen Vitalinus Lupercus nach und auf eine hier ansässig gewesene Familie dieses Namens hin. (5)

Bei dieser Namenableitung von A. Fahne handelt es es sich meines Erachtens um eine zwar gut gemeinte, aber dennoch recht phantasievolle Konstruktion, die sehr unwahrscheinlich ist. Fahne stützt sich nämlich hier sehr stark auf die angeblich älteste von 1219 stammende Schreibweise "Loperike" für Lobberich. (6) Die beiden ältesten Schreibweisen finden sich jedoch in zwei Handschriften mit der Gründungsgeschichte der Benediktinerabtei Mönchengladbach, die um 100 datiert werden. Dort lautet die Schreibweise für Lobberich "Lubbruch und Ludebracht", diese jedoch dürften kaum römischen Ursprungs sein, wie später noch dargelegt wird. (7)

In den folgenden Ausführungen über das Alter der Siedlung Lobberich und die Herkunft des Namens schließe ich mich voll der siedlungsgeographischen Untersuchung von Karl Hörnschemeyer an, dessen Untersuchungsergebnis ich im folgenden zusammengefasst darlege. (8)

Die Funde aus der Römerzeit in Lobberich lassen zwar auf eine kleine Siedlung unweit von Lobberich schließen, diese steht aber kaum in Beziehung zu den heute noch bestehenden Siedlungen. Vielmehr scheinen die ersten dieser Ansiedlungen, gemeint sind hier neben dem Ort Lobberich die zu ihm gehörenden Bauernschaften, nach dem Einfall der Franken in das römische Niederrheingebiet entstanden zu sein.

Verschiedene frühfränkische Funde im Lobbericher Ortskern weisen auf den Ursprung der heutigen Siedlung "Lobberich" in fränkischer Zeit hin. Neben diesen Funden ist die ausgesprochene fränkische Siedlungsform der Lobbericher Siedlungen das stärkste Argument. Um dieses darlegen zu können, bedarf es einiger geologischer Vorbemerkungen.

Lobberich liegt auf der linksrheinischen Hauptterrasse. Diese Hauptterrassenlandschaft erstreckt sich als großes Dreieck von Mönchengladbach bis zur deutsch-niederländischen Staatsgrenze im Süden und bis nach Straelen im Norden. Die Hauptterrasse ist der Restbestand eines von Rhein und Maas seit Beginn des Pleistozän gemeinsam aufgeschütteten Schwemmkegels. Die aufgeschütteten Schotter beider Flüsse weisen eine Mächtigkeit bis zu 30 Meter auf. Später haben sich beide Flüsse immer weiter in diesen Kegel eingeschnitten und neue tiefer gelegene Terrassen gebildet, auf denen sie dann ihr endgültiges Flussbett ausbildeten. Auf dem verbliebenen Rest der Hauptterrassen bildeten sich durch Ablagerungen von Sand- und Lößstaub teils sandige, teils sandiglehmige Böden. In die linksrheinische Hautterrassenebene haben sich kleine Flüsse eingegraben. Der nördlichste von ihnen ist die Nette, ein linker Nebenfluss der Niers, die in einem weiträumigen Flusstal zwischen Maas und Rhein dahinfließt.

Die Nette und die ihr zufließenden Gewässer, im Lobbericher Gebiet sind es der Ludbach und der Pletschbach, gruben in die Hauptterrasse bis zu 10 m tiefe, verhältnismäßig große Muldentäler. Dadurch erhält die sogenannte "Nette-Ebene" ein flachwellig, hügeliges Relief. In dieser von der Nette entwässerten Hauptterrassenfläche finden sich die Siedlungen fast ausschließlich im Nettetal selbst oder entlang ihrer Seitentäler. Die Gemeinde Lobberich wuchs im Laufe der Jahrhunderte aus folgenden am Ostufer der Nette und an den Seitentälern des Lud-, und Pletschbaches gelegenen Siedlungen zusammen:

an der Nette: Flothend und Sassenfeld,

am Ludbach: Oberbocholt, Niederbocholt, Sittard und Dorf (= Lobberich),

am Pletschbach: Rennekoven und Dyck.

Neben dem mit Sand und Sandlehm bedeckten Hauptterrassenland bildete sich im Nettetal ein zweiter Landschaftstyp aus, nämlich eine mit sehr hohem Wasserstand ausgestattete ausgedehnte zunächst siedlungsfeindliche Bruchlandschaft in den Talmulden, deren erhaltene Reste heute zu den landschaftlichen Kostbarkeiten des Niederrheins zählen.

In der Frühzeit der fränkischen Besiedlung kam nur das trockene "Geestland" als Feldland in Frage. Der trockene Sandboden konnte leicht bearbeitet werden. Am Rande des Feldlandes entstanden die Siedlungen. Dabei strebte man danach, den Rand der Niederungen mit dem feuchten Auewald, in dem Erlen, Eichen und Birken vorherrschten, einzubeziehen. Durch diese Mittellage des Wohnplatzes zwischen den höher gelegenen Ackerflächen und dem feuchten und grundwassernahen Niederungsland hatten die Höfe eine hofnahe feuchte Weide.

So sind auch die Lobbericher Dorfsiedlungen dem höher gelegenen Feldland "op de Gier" (Gelände um den Wasserturm) (8a) randlich zugeordnet. Diese Siedlungen sind als Bachrandsiedlungen an den Talrändern von Pletschbach, Ludbach und Nette entstanden. Dies ist als Beweis für die Existenz Lobbericher Siedlungen zur fränkischen Zeit anzusehen.

Der Name Lobberich, wie auch die Namen der anderen Lobbericher Siedlungen sind aber nicht typisch fränkisch, da Endungen auf "heim" oder "innen" fehlen, sondern sie weisen auf die mittelalterliche Rodungszeit des 9. Und 10. Jahrhundert hin.

Aus der Mittellage des Dorfes zwischen der ursprünglich waldbestandenen Geestfläche der Hauptterrasse und dem Marschland der Ludbachniederung (noch heute ist das kränkische Wort "Marsch" im Hofnamen "Merschels-Hof", der in der Ludbachniederung liegt, erhalten), lässt sich für "Lobberich" eine wahrscheinlichere Ableitung als die von Fahne angebotene finden.

Die Bezeichnung "Lubbruch, Ludebracht, Lobroike oder Lobroich" leiten sich wohl aus den vorgefundenen natürlichen Gegebenheiten des Siedlungsplatzes ab. "Lo" oder "loh" bedeutet im Althochdeutschen soviel wie Gebüsch, Niederwald, Holz, besonders Eichenholz. (9) Das aus den alten Endsilben "broick oder broich" gebildete "berich" bedeutet wohl zweifellos "Bruch", d. h. ein sumpfiges Gelände, das durch Wasserstauungen in Erdsenkungen oder Mulden mit undurchlässigem Untergrund entstanden ist und Wald trägt. (10) Nach dieser Namenserklärung ist Lobberich die Bezeichnung für die Siedlung im Eichen-Hainbuchenwald (auf der Geest) am Rande des Bruchlandes im Ludbachtal.

Auch das aus dem 10. Jahrhundert überlieferte "Ludebracht" deutet auf die Lage der Siedlung Lobberich in einem Waldgebiet hin. "Bracht" ist das durch Markken und Grenzzeichen abgesteckte Geländestück, das zum Zweck der Rodung und Urbarmachung mit Sonderrechten belegt ist. (11) "Lud" bedeutet wie "Löth oder Leuth" nach Finken ein stehendes oder träge fließendes Gewässer. (12) "Ludebracht" wäre dann die Siedlung, die aufgrund einer Rodung am träge fließenden Wasser (Ludbach) entstanden ist.

Auch die erste urkundliche Nennung der Siedlung "Lobberich" stammt aus der Rodungszeit, näherhin aus dem Zeitraum von 986 - 988. (13) Es ist daher anzunehmen, dass die erste Anlage zur heutigen Siedlung "Lobberich" in fränkischer Zeit erfolgte. Der Ausbau zu einem bäuerlichen Dorf erfolgte aber wohl erst während der Rodungszeit im 9. Und 10. Jahrhundert. (14) Diese Entwicklung zeichnet sich auch in der nachfolgenden Behandlung der frühen Pfarrgeschichte ab.

2. Die Entstehung der Pfarre Lobberich

Der mündlichen Tradition zufolge, soll das Gebiet der heutigen Stadt Nettetal, die Lobberich, Kaldenkirchen, Breyell, Hinsbeck und Leuth einschließt, durch den heiligen Amandus missioniert worden sein. Der heilige Amandus wird der Apostel der Belgier genannt. Er wurde im Jahre 647 Bischof von Maastricht und soll am 6. Februar 679 oder 684 in dem von ihm gegründeten Kloster Elno bei Tournay gestorben sein. Es gibt zwar keinen Beweis dafür, das der heilige Amandus selbst in dieser Gegend gewirkt hat, jedoch steht wohl zweifellos fest, dass die Missionierung des Nettetals eng mit den Maastrichter Bischöfen verknüpft ist. Sowohl der heilige Amandus, wie auch sein Nachfolger der heilige Lambertus genießen im Gebiet zwischen Niers und Maas große Verehrung. Für die Wahrscheinlichkeit dieser Tradition spricht zum einen die Weihe der Kirche in Herongen an den heiligen Amandus und der dort vorhandene Amandusbrunnen, der Tradition nach eine frühchristliche Taufstätte, und die Tatsache, dass das Hofgut Herongen schon im Jahre 899 im Besitz des vom heiligen Amandus gegründeten Klosters Elno gewesen ist. (15) Zum anderen ist in diesem Zusammenhang die Weihe der Breyeller und Leuther Kirche an den heiligen Lambertus interessant.

Diese frühe Missionierung der Nette-Ebene passt auch durchaus zu der aufgewiesenen fränkischen Besiedlung des Nettetales, das damals zum Gebiet des fränkischen Mühlgaues gehörte, dessen westliche Grenze durch die Maas gebildet wurde und der im Süden an den Jülichgaus grenzte. (16) Wann die Pfarre Lobberich entstanden ist, lässt sich nicht feststellen. Die ältesten urkundlichen Nachrichten über die alten Pfarrkirchen melden meist nichts von deren Entstehung, sondern sie setzen vielmehr ihre Existenz voraus. Der einzige Anhaltspunkt ist in diesen Fällen die mündliche Überlieferung. Die daraus abgeleiteten Folgerungen können nur Möglichkeiten aufweisen.

Für das Nettetal lässt sich ein interessanter Hinweis aus der Leuther Pfarrgeschichte aufzeigen. Die mündliche Überlieferung berichtet, dass Leuth seine erste Pfarrkirche in Birgeln im heutigen Selfkantkreis gehabt haben soll. (17) Dieses Birgeln war im Mittelalter ein beliebter Wallfahrtsort. Aus dem ganzen Mühlgaus führten sogenannte "Birgelner Kirchwege" zu diesem Wallfahrtsort, so z.B. von Süchteln, Viersen und Mönchengladbach. (18) Auch in der Lobbericher Siedlung Dyck, ist ein solcher Birgelner Kirchweg bekannt und nachweisbar. P. Norrenberg sieht in ihnen nur reine Wallfahrtswege. Aber in Hinblick auf die Leuther Überlieferung erscheint es mir durchaus zu fragen, ob diese Kirchwege im Sinne der Leuther Überlieferung nicht für das ganze Gebiet des fränkischen Mühlgaus eine viel tiefere Bedeutung haben könnten. Wenn sie echte Kirchwege gewesen sind, so ist es durchaus möglich, dass hier für viele Orte im fränkischen Mühlgau die Mutterpfarrei zu finden ist.

Die erste urkundliche Nennung des Kirchspiels Lobberich finden wir in der Gründungsgeschichte der Abtei Mönchengladbach. Als der Kölner Erzbischof Everger (986 - 988) versuchen wollte, das Kloster Gladbach nach Köln zu verlegen, wird er in einem Traumgesicht von seinem Vorhaben abgehalten und er gelobt, den heiligen Ort wieder in den früheren Stand zu versetzen und "den Ort zu seiner Diözese von dem Lütticher Bischof (Notger, d. V.) einzutauschen und, was von den Besitzungen der Abtei noch nicht verschleudert, zurückzugeben und, soweit möglich, durch Prekarie- oder andere Verträge wieder zurückzuerwerben. Der Erzbischof vergisst auch nicht, die Kirche vom Bistum Lüttich einzutauschen. Für die zwei Kirchen Gladbach und Rheydt (Gladebach et Reithe) gab er drei: Tegelen (Tieglon A, Tegelon B), Lobberich (Lobbruch A, Ludebracht B) und Venlo (Uennelon)." (19)

Diese Gründungsgeschichte ist in einer um 1100 datierten Handschrift erhalten, die sich heute in der Bibliothek der Bollandisten in Brüssel befindet. Sie stützt sich in ihren Angaben auf mündliche Angaben des als verstorben genannten Abtes Henricus von Galdbach (+ 1067) und seines anscheinend noch lebenden Neffen, des Abtes Wolfhelm von Brauweiler (+ 1091). (20)

Für die folgenden 200 Jahre fehlen bisher nähere Nachrichten über das Kirchspiel Lobberich. Eine mündlich überlieferte Nachricht, die besagt, dass der Kölner Erzbischof Warinus von Köln (976 - 984) das Kirchspiel Grefrath vom Kirchspiel Lobberich abtrennte, weil letzteres übervölkert gewesen sei, lässt sich nirgendwo belegen und wird schon von Binterim und Mooren als Sage eingestuft. (21)

3. Die kirchliche Zugehörigkeit der Pfarre St. Sebastianus zu Lobberich bis heute (22)

Bis zur Abtretung des Kirchspiels Lobberich an das Bistum Lüttich unter Erzbischof Everger (986 -988) gehörte Lobberich zum Erzbistum Köln. Eine frühere eventuelle andere Zugehörigkeit in der Zeit der fränkischen Missionierung, etwa zu Maastricht, erscheint möglich, ist aber nicht zu belegen. Während der Zugehörigkeit zum Erzbistum Köln gehörte das Kirchspiel Lobberich sicherlich zur Decania Straelen, die später in die beiden Dekanate Geldern und Süchteln aufgeteilt wurde. (23) Der Zeitpunkt dieser Teilung ist nicht bekannt, jedoch heißt um 1293 der Pfarrer von Leuth noch "Decanus Stralensis". (24)

Über 500 Jahre verblieb das Kirchspiel Lobberich beim Bistum Lüttich, bis es 1561 zum neu errichteten Bistum Roermond kam. Die mangelhafte kirchliche Organisation in den Niederlanden hatte solche Übelstände hervorgerufen, dass zu deren Abstellung eine Neugestaltung der kirchlichen Organisation dringend erforderlich wurde. Erst unter Kaiser Karl V., an den das Herzogtum Geldern durch den Frieden zu Venlo 1543 gefallen war, schien sich eine derartige Entwicklung anzubahnen. Philipp II., der von seinem Vater 1555 die Herrschaft über die niederländischen Provinzen übernahm, erreichte nach langen Verhandlungen im Jahre 1559 von Papst Paul IV. eine Bulle, nach der fortan die Jurisdiktion der auswärtigen Bischöfe in den Niederlanden aufhören soll. Jede Provinz erhält fortan einen eigenen Bischof. Die Bistümer wurden drei neu errichteten Erzbistümern unterstellt, die ihrerseits dem Erzbischof von Mecheln als dem Primas der Niederlande unterstanden. Zum Erzbistum Mecheln gehörten die Bistümer Antwerpen, Gent, Brügge, Ypern, Herzogenbusch und Roermond. Zum neuen Bistum Roermond kam das Oberquartier Geldern, ein Teil des Quartiers Nymwegen, das Land Cuyck, Die Grafschaft Horn und das Land Valkenburg. In diesem Gebiet wurden neun Dekanate errichtet. Lobberich kam gemeinsam mit den Pfarren Grefrath, Herongen, Hinsbeck, Leuth, Velden, Venlo, Viersen, Wachtendonk und Wankum zum Dekanat Krickenbeck. Auch nach der Aufteilung des Oberquartiers Geldern zwischen Österreich, Preußen und den holländischen Generalstaaten im Frieden zu Utrecht 1713, blieb das Bistum Roermond in seinem alten Umfang bis zum Jahre 1801 unverändert.

Im Konkordat zwischen Napoleon I. und Papst Pius VII. vom 15. Juli 1801 wurde eine Neueinteilung der Bistümer und Pfarreien Frankreichs vereinbart. Für die Bewohner der Roer-, Rhein- und Moseldepartements wurde 1802 das Bistum Aachen errichtet. Die Dekanate blieben unverändert bestehen. Zum ersten Bischof der neuen Diözese wurde Markus Antonius Berdelot ernannt, welcher bis zu seinem Tode am 13. August 1809 im Amt blieb. Sein Nachfolger Johann Dionysius Franz La Camus, der am 22. Oktober 1810 zum Bischof von Aachen ernannt wurde, musste 1814, als die Macht Napoleons zerbrach, fliehen. Er starb schon am 26. April 1814 in Paris.

Nach der Aufhebung des Bistums Aachen im Jahre 1821 wurde die Pfarre Lobberich mit den anderen umliegenden Pfarreien dem Bistum Münster eingegliedert und gehörte zum Dekanat Kempen. Seit der Neugründung des Bistums Aachen im Jahre 1930 gehört Lobberich als Dekanat zu diesem Bistum.

4. Der Lobbericher Zehnte und seine Zehntherren (25)

Der Zehnte zu Lobberich war von alters her ein Garben-Zehnten. Jede zehnte Gaste, die aus vier Garben bestehen musste, gehörte dem Zehnherren. Dieser konnte den Zehnten selbst einscheuern, verpachten oder gegen eine bestimmte Lieferung an Naturalien oder Geld der Gemeinde überlassen.

Das Patronat der Lobbericher Kirche samt dem Zehnten zu Lobberich war schon sehr früh im Besitz des Zisterzienserinnenklosters zu Halen in Flandern. Von diesem gelangte der Zehnte in der Art an die Grafen von Molbach, dass diese für 18 Schillinge jährlich den halben Zehnten in eigenen Besitz bekamen und die andere Hälfte dem Pastor in Lobberich überlassen mussten, der dafür dem Kloster jährlich 5 Schillinge zu bezahlen hatte.

Die letzte aus dem Molbacher Geschlecht, Alveradis von Molbach, übertrug im Jahre 1221 mit Zustimmung des Klosters ihr Patronatsrecht mit dem halben Zehnten der Abtei Knechtsteden. Graf Reinhard von Geldern verzichtete auf seine, durch seine Frau an ihn gekommenen Ansprüche an diesem halben Zehnten. Dafür verpflichtete sich die Abtei Knechtsteden im Jahre 1328, fortan das Jahrgedächtnis der Grafen und späteren Herzöge von Geldern zu feiern. Wie lange dieses vorgenannte Zehntverhältnis andauerte ist ungewiss, jedoch schon zu Lebzeiten der Alveradis von Molbach hatte Lobberich zwei Zehntherren, zum einen die Abtei Knechtsteden und zum anderen die Grafen von Geldern.

Im Jahre 1364 wurde der "Geldernsche halbe Zehnte" zu Lobberich dem Grafen von Mörs verschrieben. Nach langwierigen Prozessen einigten sich im Jahre 1562 die Lobbericher mit dem Grafen Hermann von Mörs über eine neue Zehntordnung. Der Zehnt wurde in eine jährliche Erbpacht von 116 Par Korn und 116 Steine Flachs umgewandelt.

Als der Lobbericher Pfarrer, Pastor Gerhard Straelgen, 1543 zum Abt von Knechtsteden gewählt wurde, trafen die Lobbericher mit dem Knechtstedener Konvent ein mündliches Abkommen über die Umwandlung des Knechtstedener halben Zehnten in eine jährliche Erbpacht von 85 Par Korn und 100 Steine Flachs. Des weiteren sollte die Abtei den Lobbericher Pfarrhof erblich nutzen dürfen. Dafür erhielt die Lobbericher Kirche das Untergeld von 1 Malter Roggen und 11 Goldgulden jährlich, das früher die Gemeinde aufbringen musste, nun von der Abtei. Nach dem Tode des Abtes Gerhard 1573, erreichten die Lobbericher die Weiterführung der mündlichen Abmachung mit dem Kloster. Am 12. Juli 1621 wurde die Regelung vom Kloster Knechtsteden auf Bitten der Lobbericher vertraglich festgelegt.

Das Kloster Knechtsteden stellte die Pfarrer für die Kirchengemeinde Lobberich solange sie im Besitz des halben Lobbericher Zehnten waren. Erst durch die Aufhebung der Zehnten durch die französische Republik im Jahre 1798 verlor das Kloster den Lobbericher Zehnten.

3. Die Lobbericher Pfarrer und Kapläne bis 1600

Von den im Kirchspiel Lobberich bis zum 14. Jahrhundert tätig gewesenen Geistlichen ist uns leider keiner namentlich bekannt. Wahrscheinlich ist dieser Umstand zum großen Teil auf einen Brand im Jahre 1608 zurückzuführen, dem das Lobbericher Pfarrhaus zum Opfer fiel. Das während der Amtszeit des Pfarrers Norbertus Pricken angelegte Kirchenbuch gibt über die Beweggründe Aufschluss, die den Pfarrer und die Schöffen veranlassten, im Jahre 1643 alle wichtigen Nachrichten über die Pfarre in diesem Buch aufzuzeichnen. Dort heißt es:

"Wir sehen und hören täglich, dass bei wehrender Kriegszeiten durch Beraubung und Abbrennung der Kirchen, Tod und einige Vernachlässigung der Inspektoren und Administratoren, durch Verlierung der Siegel und Briefe in vielen Pfarren (die wichtigen Unterlagen, d. V.) verloren gehen, gleich gotsleider derr viel bey unseren Vorsessen untergegangen. Solch in unserer Kirche zu Lobberich hinforder vorzukommen haben wir Pastor Norbertus Pricken (Adel und Schöffen, d. V.) woll wissentlich durch gemelten unsern Pastoren alle Fundationen, Fraternitaten, onera proventes, commoda, iura, soclesiae nostrae, so noch existiren in originalibus litteris als auch alten Hebregisteren gegenwertigen Buch laessen einschreiben." (26)

Aufgrund dieser Aufzeichnungen, die mit der Zustimmung der Schöffen eingetragen wurden und dadurch rechtsverbindlich wurden, sind uns viele Einzelheiten des kirchlichen Lebens in Lobberich überliefert worden. Unter anderem legte Pastor Pricken auch ein Verzeichnis der ihm noch namentlich bekannten früheren Lobbericher Pfarrer an. Mit Hilfe dieses Verzeichnisses und den in den Urkunden des Pfarrarchivs vorkommenden Namen von Lobbericher Pfarrer, wurde die nachstehende Aufstellung möglich.

1. Johann von Oussom, Pastor zu Lobberich bis ca. 1507. Er wird in mehreren Urkunden der Jahre 1483 und 1486 als Zeuge genannt (siehe Namenregister).

2. P. Mathias von Thure, 1507 Pastor zu Lobberich. Er wurde im Jahre 1507 wegen seiner ausgezeichneten Frömmigkeit und seinen hervorragenden Kenntnissen zum 38. Abt des Klosters Knechtsteden gewählt. Als Abt zeichnete er sich besonders in der Reformationszeit aus. Er starb am Dreikönigstag 1543. (27)

3. P. Sybertus von Krickenbeck aus Breyell, Pastor in Lobberich bis ca. 1532. Er tritt bereits am 12.5.1509 als Zeuge auf. (28) Pastor Sybertus blieb sehr lange im Amt. Er wird noch 1531 als Siegler genannt. Er starb in Lobberich und wurde in der Lobbericher Kirche vor dem Sakramentshäuschen begraben.

4. P. Albertus Walden, dieser Pfarrer wird im Kirchenbuch nicht erwähnt, obwohl er im Jahre 1528 als Pastor zu Lobberich ein Condizill bestätigt. (29) Wahrscheinlich war er eine Zeit lang Vertreter des greisen Pfarrers Sybert von Krickenbeck. (30)

5. P. Gerhard Straelgen, auch Gerhard von Moirss, bis zum Jahre 1543 Pastor in Lobberich. Er tritt erstmals 1538 in Erscheinung. (31) Im Jahre 1543 wurde er zum Abt des Klosters Knechtsteden gewählt, als welcher er mit den Lobberichern eine neue Zehntregelung mündlich vereinbarte. Er starb Pfingsten 1573 (siehe Register: Gerhard von Moirss).

6. P. Theodor von Neuss, Pastor in Lobberich von 1543 - 1548. Er starb in Lobberich und wurde in der Kirche vor dem Sakramentshäuschen beigesetzt.

7. P. Wilhelm von Hoengen, er war bis 1574 Pastor in Lobberich und legte dann sein Amt wegen der Kriegswirren nieder (siehe Personenregister).

8. P. Johannes Schriver aus Dahlen, Pastor in Lobberich bis 1608. Er hatte wegen der Wirren des "Belgischen Krieges" viel zu erleiden und zahlreiche Gefahren zu bestehen. Als seine Kräfte erschöpft waren, legte er sein Amt nieder und lebte dann noch sechs Jahre mit seinem Nachfolger im Lobbericher Pfarrhaus. Am 10. März 1614 wurde er beigesetzt.

Von den in Lobberich tätig gewesenen Kaplänen vor 1600 sind uns nur folgende fünf Namen bekannt:

1. Heinrich Kemmerling. Er tritt am 21. Juli 1432 als Zeuge auf und wird "henrick kemerling, priester zu Lobberich" genannt. (32)

2. Johannes Neyff oder Neve. Er war der erste Rektor der Besellschen Stiftung auf dem St. Anthonius-Altar. 1490 bestätigt dies der Bischof von Lüttich (siehe Personenregister).

3. Nikolaus in dem Bruxken. Er tritt bereits 1523 am 17. Mai als Zeuge auf. Am 28. Juli 1540 unterschreibt er eigenhändig das Testament der Eheleute Wilhelm und Jens auf dem Strauch (siehe Namensregister).

4. Paulus tho Broeck, ein gebürtiger Lobbericher. Er war der Rektor des Marien-Altares und stiftete sein Haus in der Pfefferstraße als Kaplanei für seine Nachfolger (siehe Register) 1537 - ca. 1564.

5. Johann Kudichoven, 1597 Kaplan in Lobberich (33)

4. Aus Lobberich gebürtige Geistliche bis zum Jahre 1600

a) aus den Familien von Bocholtz

1. Wilhelm von Bocholtz zu Bocholtz, 1456 war er Mönch im Kloster Vitus zu Mönchen-Gladbach und Probst zu Bocholtz. Vom Erzbischof Hermann von Köln wurde er dem Abt von St. Panthaleon in Köln Gottfried von Lessenich (1464 - 1486) als Coadiutor zur Seite gestellt. Im Jahre 1481 folgte er dem Abt im Amt, welches er bis zum 27. März 1487 innehatte. Er soll sich eifrig um die Hebung des Klosters bemüht haben, versank aber bald in Wahnsinn und musste seines Amtes entsetzt werden. Er starb am 4. Oktober 1493. (34)

2. Wilhelm I. von Bocholtz zu Hove, er war 1455 Probst zu Gladbach und Bocholtz. Er war der Sohn Goderts V. von Bocholtz zu Hove (siehe Namenregister).

Sein Bruder

3. Gerhard II. von Bocholtz zu Hove, war Mönch im Kloster Gladbach. (35)

4. Aegidius I. von Bocholtz zu Hove, trat um 1494 in den Benediktinerorden ein und wurde Pastor in Dülken. Von hier aus wurde er am 14. Januar 1505 durch eine Kompromisswahl zum 32. Abt der Abtei in Gladbach gewählt. Er soll ein sehr frommer Mönch gewesen sein. Nach seinem Amtsantritt nahm er den Plan seines Vorgängers Johann von Espendorf auf, im Kloster Gladbach die Büresfelder Reform einzuführen. Den Plan hatte sein Amtsvorgänger wegen des starken Widerstandes im Konvent aufgeben müssen. Mit Unterstützung der umwohnenden Äbte setzte Abt Aegidius die Reform durch. Am 20. April 1510 verkündete er die strengen Büresfelder Regeln für sich und sein Kloster als geltend. Es ging ihm darum, die Pfründewirtschaft des Adels abzuschaffen. Er regierte 33 Jahre und starb 70-jährig am 30. April 1538. Es gilt als einer der bedeutendsten Äbte der Gladbacher Abtei. (36)

Ihm in Amt folgte der Sohn seines Vetters, Peter von Bocholtz zu Hinsbeck als 33. Abt von Gladbach. Dieser regierte 23 Jahre. (37)

5. Wilhelm II. von Bocholtz zu Hove, im Kloster Siegburg, dann Probst zu Hirzenath. Er war ein Bruder des Abtes Aegidius von Gladbach. (37)

6. Johann I. von Bocholtz zu Hove, ebenfalls ein Bruder des Abtes Aegidius, war Mönch im Kloster Siegburg. (37)

7. Reinhard von Bocholtz zu Hove, ein Neffe des Abtes Aegidius, tritt 1548 in das Gladbacher Kloster ein, welches ihm das weitere Studium in Köln bezahlt, weil die Familie ihn vernachlässigte, 1555 wählte ihn das fürstliche Kloster Corvey an der Weser zu seinem 51. Abt. Er regierte 30 Jahre und starb am 25. Mai 1585. (38)

8. Gottfried VIII. von Bocholtz zu Hove wird am 7.12.1579 Domherr in Lüttich, dann Domdechant. Er starb am 28. August 1609. (39)

9. Aegidius III. von Bocholtz zu Hove, er ist 1612 im Collegium Germanicum und wird am 2. Mai 1615 Domherr in Lüttich, 1625 Probst zu St. Paul in Lüttich, 1630 Domscholaster und 1634 Domdechant. Er starb im Mai 1649. (39)

10. Johann III. von Bocholtz zu Hove, er wird am 5. Februar 1627 Probst zum hl. Kreuz in Lüt tich, 1618 "Kurfürstlicher Kölnischer Rat". Er starb im Jahre 1653. (39)

b) aus den Bürgerfamilien

1. P. Hermanus de Ludburg, Mönch im Kloster Gladbach (1492 - 1510). (40)

2. Martinus Wulff von Loeberyck, 1515 stellvertretender Vikar des Nikolaus-Altares in Hinsbeck. (41)

3. Henricus von Loebruick, 1515 Vikar des hl.-Kreuz-Altares in Hinsbeck. (41)

4. Johann Ouschem oder Oissen, 1539 Vikar an St. Laurentius in Köln (siehe Namenregister). (41)

5. Paulus tho Brock, aus dem Sassenfeld, um 1540 - 1560. Rektor des Marien-Altares in Lobberich. Er stiftete sein Haus in der Pfefferstraße als Kaplanei (siehe Namenregister). (41)

6. Simon Hermann auf dem Strauch, aus dem Sassenfeld. Er wurde 1498 als Symon Hermany Stroeß in die Kölner Universitätsmatrikel eingetragen. Später wurde er Kanoniker an St. Gereon in Köln und starb am 11.7.1577. Die Studienstiftung "Strauchiana" wurde von ihm errichtet (siehe Namenregister). (41)

7. Johannes Kirchhoff, er war Cellerarius im Kloster Knechtsteden und starb dort am 7.9.1584. (41)

8. Georg Kirchhoff, Kanoniker an St. Quirinus in Neuss. Von ihm wurde die Studienstiftung "Kirchhoviana" errichtet. Er starb zwischen 1582 und 1584 (siehe Namenregister). (41)

9. Johannes Lobbroichius, 1569 als Jan von Lobberich Kaplan in Süchteln. (41)

10. Godefridus Draek, er wurde 1585 in Köln von dem Konvent des Zisterzienser Klosters Kamp zum 36. Abt von Kamp gewählt. Wegen des Krieges hatten die Mönche die Abtei verlassen und sich nach Rheinberg, Neuss und Köln geflüchtet. Da die Mönche aus Rheinberg nicht zur Wahl erscheinen konnten, wollten sie zunächst den neuen Abt nicht anerkennen. Auf dem Wege von Köln nach Düsseldorf wurde Abt Godefridus von feindlichen Truppen gefangen genommen und nach Rheinberg gebracht. Er brlieb dort vier Monate und wurde dann gegen ein Lösegeld von insgesamt 4800 Gulden freigelassen. Bis zum Jahre 1612 blieb er Abt in Kamp. (41)

5. Die Lobbericher Pfarrkirchen

Die Pfarrgemeinde St. Sebastianus zu Lobberich benutzt heute die 1893 fertiggestellte große neuromanische Kirche St. Sebastian in Lobberich als Pfarrkirche. Ihr Neubau war dringend notwendig geworden, als sich die Einwohnerzahl Lobberichs durch die Industrialisierung in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts sprunghaft erhöhte.

Die "alte Kirche" sollte zuerst abgebrochen werden, jedoch verhinderten die Lobbericher Bürger durch eine Spendenaktion den von der Provinzialregierung schon genehmigten Abbruch. Die "alte Kirche" in Lobberich wurde dann bis zum Jahre 1941 als Schulkirche benutzt. Durch einen tagelangen Artilleriebeschuss in den letzten Tagen des II. Weltkrieges wurde die alte Lobbericher Pfarrkirche, eine gotische Hallenkirche von außergewöhnlicher Harmonie, deren gotische Ausprägung jedoch durch eine im 17. Jahrhundert vorgenommene Barockisierung überdeckt wurde, teilweise zerstört. Abermals fand sich ein Kreis alter Lobbericher Familien, die durch große finanzielle und materielle Opfer die Kirche in ihrem Baubestand sicherten und im Jahre 1950 für eine vollständige neue Bedachung des alten Gotteshauses sorgten.

Nach dieser Rettungsaktion geriet die alte Pfarrkirche aber in Vergessenheit. Durch mutwillige Zerstörungen im Innenraum und totale Vernachlässigung des Gebäudes, das nach 20 Jahren im Innern einem Schuttplatz glich, drohte dem alten Gotteshaus erneut und scheinbar endgültig der Verfall. Durch 1967 einsetzende freiwillige Arbeitseinsätze der Lobbericher Pfarrjugend gelang es in fast 5000 Arbeitsstunden die alte Pfarrkirche soweit zu renovieren, dass seit einem Jahr in ihr die Jugendgottesdienste der Pfarrgemeinde gefeiert werden kann. Die Selbsthilfe der Jugendlichen wurde bald auch von den Behörden der Kirche und der Denkmalpflege anerkannt. Für die Rettung der alten Kirche wurden kurzfristig Mittel zur Verfügung gestellt, mit denen wenigstens die dringendsten Schutzmaßnahmen finanziert werden konnten.

Bei diesen Renovierungsarbeiten musste auch die mürbe gewordene Putzschicht der Wände abgeschlagen werden. Hierbei wurden Bauabschnitte der Kirche freigelegt, durch die die ausführliche Baubeschreibung der Kirche durch Paul Clemen in seinem Werk "Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz". (42)

Die nachfolgenden baugeschichtlichen Untersuchungsergebnisse, wie auch die von mir angefertigten, von der Clemenschen Vorlage abweichenden Grundriss- und Ansichtszeichnungen auf den folgenden Seiten, beruhen sowohl auf eigene, als auch auf noch unveröffentlichte Untersuchungen im Auftrage des Landeskonservators. Als wichtigste Neuentdeckung in der alten Pfarrkirche zu Lobberich ist die Freilegung von romanischen Mauerresten einer Vorgängerkirche zu bezeichnen. Es handelt sich hier um zwei starke Tuffsteinmauern am Anfang des Chores. Die Mauern werden nach einer ersten Untersuchung um 1200 datiert. Es ist daher wahrscheinlich, dass der ebenso alte Lobbericher Taufstein und die noch in der alten Kirche befindliche Glocke von 1397 zu dieser bis jetzt unbekannt gewesenen Kirche gehört haben.

Die alte gotische Pfarrkirche stammt in ihrem jetzigen Bestand, zwei Joche des 19. Jahrhunderts ausgenommen, aus dem späten 14. Bzw. frühen 15. Jahrhundert. Sie liegt im Stadtkern Lobberichs auf einem etwas erhöhten Plateau, das nach Süden, dem Park des Bocholtzschen Herrensitzes Ingenhoven (In gen Hove) zu, stärker abfällt, als zum alten Ortskern im Osten.

Die Kirche, ein dreischiffiger gotischer Hallenbau mit abgewalmten Seitenschiffdächern und eingebautem westlichen Turm, hat eine lichte Länge von 29,50 m und eine lichte Weite von 19 m. Die Länge des Chores beträgt 11,50 m, seine Weite 7,20 m. (43)

Der älteste, noch bestehende Teil der Kirche, die romanischen Mauerreste ausgenommen, besteht aus Chor, gleich hohem Kreuz- und Mittelschiff, das außer der Vierung nach Westen nur noch ein einziges Joch aufweist, und dem westlichen dreigeschossigen Turm, der, entgegen der Meinung Clemens, zur ersten Bauperiode gezählt werden muss. An das westliche Joch des Mittelschiffes müssen sich in der ersten Bauperiode nach Süden und Norden noch jeweils ein niedrigeres Seitenjoch angeschlossen haben, die bei dem späteren Erweiterungsbau 1818 abgerissen worden sind. Von diesen Jochen, die Clemen gar nicht kennt, wurden jetzt die alten abgeschlagenen Dienst und Tuffsteinkonsolen der Rippen freigelegt. Am Turm wurden außerdem die Bruchseiten der früheren Außenmauern festgestellt. Eine damit zusammenhängende architektonische Wunderlichkeit, die von Clemen einfach hingenommen wurde und die auch bei der letzten Bauuntersuchung im Auftrage des Landeskonservators nicht eindeutig geklärt werden konnte, sind die abweichenden Strebepfeiler am nördlichen und südlichen Kreuzschiff. Den beiden senkrecht zur Mauer gestellten Strebepfeilern auf der Nordseite, stehen zwei diagonal zur Mauer gestellte Strebepfeiler auf der Südseite gegenüber.

Aufgrund dieser Tatsache erschien die Vorstellung eines südlich niedrigeren Joches, das sich sofort an das Kreuzschiff anschließt, als sehr problematisch. Einerseits weist der schräg gestellte Strebepfeiler deutlich auf eine Ecke hin, andererseits war die Existenz des niedrigen südlichen Seitenjoches durch die freigelegten Reste unbestreitbar. Durch Zufall stieß ich in den letzten Tagen auf die Lösung, die beiden Seiten Rechnung trägt. A. Fahne bildet in seinem Werk über die Familie Bocholtz zwei Ortskarten von Lobberich ab. (44) Diese Karten müssen vor dem Umbau 1818 entstanden sein, weil der Turm hier noch frei steht. Fahne nennt hier leider keine Quelle. Nach dem dort abgebildeten Grundriss der Kirche handelte es sich bei den beiden niedrigen Jochen um flächenmäßig total unterschiedliche Bauräume. Während sich das nördliche Joch genau so befand, wie ich es im Grundriss dargestellt habe, tritt das südliche Joch unerwarteter weise deutlich vom Kreuzschiff zurück, so dass der schräge Strebepfeiler tatsächlich auf einer Ecke des Kreuzschiffes stand. Es wäre meines Erachtens sogar denkbar, dass sich in diesem kleineren Eckraum ursprünglich die Sakristei befunden hat. Die jetzige Sakristei, die Clemen zum ältesten Baubestand rechnet, kann nämlich unmöglich in diesen Ausmaßen an dieser Stelle immer bestanden haben, weil der jetzige Sakristeiraum zwei deutlich erst nachträglich zugemauerte Kirchenfenster umschließt.

Paul Clemen weist dem ältesten Bauabschnitt nur den Chor mit südlich anschließender Sakristei, das Kreuz- und das Mittelschiff mit seinen zwei Jochen zu. Clemen begründet diese Einteilung damit, dass diese Bauteile seiner Meinung nach "durchaus aus Tuffstein aufgemauert (sind und) die Birnstabrippen der Kreuzgewölbe "gleichfalls aus Tuffstein bestehen." (43) Den Turm verweist Clemen in die zweite Bauperiode, II. Hälfte des 15. Jahrhunderts, da dieser "in seinen Umfassungen durchweg aus Backsteinen besteht." (43) Diese beiden Bauperioden, die sich auf das verwandte Material stützen, fallen weg, da es sich herausgestellt hat, dass der gesamte Bau, ausgenommen der romanischen Mauern und dem unteren Teil einer der beiden Säulen im Kirchenschiff, aus Ziegeln erbaut sind und Chor, Sakristei und Kreuzschiff von außen lediglich mit Tuffstein verblendet wurden. Daher besteht kein Grund mehr, den wuchtigen dreigeschossigen Turm zeitlich später anzusetzen.

Der Turm hatte um Untergeschoss ursprünglich eine Turmhalle in Höhe des Mittelschiffes, die mit einem Kreuzgewölbe abschloss. Bei der Barockisierung der Kirche, nach Clemen im Jahre 1710, wurden sowohl die Kreuzgewölbe im Chor, als auch das in der Turmhalle herausgebrochen und durch Flachdecken ersetzt. In das Untergeschoss des Turmes wurde eine Orgelbühne eingebaut. In den beiden oberen Geschossen hat der Turm an den Außenseiten je zwei spitzbogige Blenden, von denen jede in drei Lichter aufgeteilt ist, die in je verschiedene Maßwerke münden. Die Blenden und Maßwerke sind aus Tuffsteinen gefertigt, teilweise auch abwechselnd aus Tuff- und Backsteinen.

An die Südseite des Turmes lehnt sich das außen fünfseitige Treppentürmchen an, das im Innern eine achtseitige Wendeltreppe birgt. Über einem Spitzbogenfries erhebt sich die Turmhaube, die aus einer vierseitigen Pyramide in eine achtseitige Spitze übergeführt ist. (45)

Im Kirchenraum sind die beiden, nach Clemen "achtseitigen" tragenden Pfeiler problematisch, die, so Clemen, "durch ein einfaches Gesims abgeschlossen" sind, "über dem die Rippen aufsetzen." (43) Diese Beschreibung trifft nur auf einen, nämlich den vorhin erwähnten Tuffsteinpfeiler zu, der die südlichen Joche mitträgt. Dieser Pfeiler ragt in etwa 2 Meter Höhe einige Zentimeter aus und setzt sich auf einem schmalen Sandsteinsims in Tuffstein weiter fort. Über diesem Sims setzen auf kleinen Tuffsteinkonsolen die Rippen auf. Das von Clemens gemeinte "Gesims" lag wesentlich höher und war ein einfaches nichttragendes Stucksims, das erst bei der Barockisierung der Kirche im ganzen Raum angebracht wurde, um ihn optisch zu erhöhen. Der nördliche Pfeiler ist vollkommen anders gestaltet. Er ist, wie sich nach der Entfernung des Putzes herausstellte, ganz aus Backsteinen aufgemauert. In den eingebuchteten Eckseiten führten vom Boden an säulchenartige Dienste aus Mergel und Liedberger Sandstein zu verzierten Sandsteinkonsolen, auf die die Gewölberippen aufsetzen. Solche runden Dienste, die alle während der erwähnten Barockisierung zerstört wurden, konnten noch im Westjoch an der Turmseite und in der ursprünglichen Turmhalle in Resten freigelegt werden. Für die Unterschiedlichkeit der beiden Pfeiler lässt sich bis jetzt noch keine einleuchtende Erklärung finden. Persönlich halte ich es jedoch für möglich, dass der Tuffsteinpfeiler in seiner vollkommenen Andersartigkeit noch zur Vorgängerkirche gehört.

Durch die schon mehrmals erwähnte Umgestaltung der Kirche in der Barockzeit wurde, soweit nur irgendwie möglich war, der gotische Charakter des Raumes überdeckt. Insgesamt wurden sieben Kirchenfenster zugemauert. Die Wände erhielten eine Stuckverkleidung, die mit dem schon erwähnten Stuckgesims abschloss, der um gut einen Meter über dem ursprünglichen Konsolen liegt. Wahrscheinlich sollte dadurch auch die in die Turmhalle eingezogene Orgelbühne besser in den so künstlich hochgezogenen Raum eingefügt werden. Aus dem gleichen Grund wurde die Gewölbekappe des Westjoches an der Turmseite beträchtlich höher gezogen. Dieses Unternehmen wurde jedoch technisch so schlecht ausgeführt, dass die Gewölbekappe heute wie abgeschnitten wirkt, was natürlich der Theorie von einem zeitlich späteren Turmanbau entgegenkam.

Die beiden letzten Joche im Nord- und Südschiff wurden im Jahre 1818 angebaut und schlossen den bis dahin freistehenden Turm in das Gebäude ein. (46) Bei diesem Umbau sind dann auch die niedrigeren Joche im Süd- und Nordschiff abgebrochen worden und durch zwei neue mittelschiffhohe ersetzt worden. Um diese Erhöhung bewerkstelligen zu können, wurden im Gewölbe die Grabwände der anliegenden Joche herausgebrochen und die Gewölbebogen erhöht.

Durch die teilweise Zerstörung der Barockeinrichtung der Kirche im Krieg und in der nachfolgenden Zeit und durch die Entfernung des Stuckputzes, gewann der Kirchenraum ungewöhnlich und erhielt seinen gotischen Charakter weitgehend zurück.

6. Das Archiv der Pfarre St. Sebastianus

Vom Vorhandensein eines Pfarrarchives im Sinne einer bewusst geordneten Archivaliensammlung, kann erst seit relativ kurzer Zeit gesprochen werden. Bis zum Jahre 1967 war der bekannte Bestand an alten Archivalien der Pfarre Sr. Sebastianus so gering, dass ein Archiv überflüssig war. Dieser Bestand beschränkte sich im großen und ganzen auf die beiden Kirchenbücher, deren erstes 1653 durch den Pastor Norbertus Pricken angelegt wurde und der als einziger wichtiger Versuch einer systematischen Nachrichtensammlung über die Pfarre Lobberich durch die früheren Pfarrherren angesehen werden kann.

Außer diesen Kirchenbüchern waren nur wenige alte Unterlagen aus dem 15. Und 16. Jahrhundert vorhanden, wohl aber eine größere Anzahl ungeordneter Unterlagen der späteren Zeit. Hatte noch der eben genannte Pastor Norbertus ausführliche Notizen über die Zustände in der Pfarre während seiner Amtszeit aufgezeichnet, so ist davon bei sämtlichen Nachfolgern nichts mehr zu spüren. Die Kirchenbücher wurden zu reinen Kopialbüchern, in die nur noch sporadisch Eintragungen vorgenommen wurden.

So waren auch die beiden Historiker Fahne und Finken bei ihren Forschungen auf diese Kirchenbücher und die wenigen vorhandenen Unterlagen angewiesen. So führt Johann Finken das Fehlen der älteren Unterlagen aus der Zeit vor 1600 resignierend auf die von Pastor Pricken überlieferte Nachricht zurück, dass die meisten Lobbericher Urkunden bei der Plünderung Süchteln im Jahre 1642 vernichtet worden sind, als man sie sicherheitshalber in die befestigte Nachbarstadt ausgelagert hatte. Das sich trotzdem noch eine große Anzahl von Urkunden in Lobberich befand, war den beiden Historikern nicht bekannt, wie ein Vergleich mit ihren Werken zeigt.

Besonders A. Fahne von Roland darf als wichtiger Zeuge für die Unkenntnis über das Vorhandensein der Lobbericher Urkunden genannt werden. Bei seinen Forschungen zu seinem großen Werk: "Die Dynasten, Freiherren und Grafen von Bocholtz" standen ihm zwei Bocholtzsche Urkunden, nämlich Dk. N1. 1 und Dk. Nr. 44, offensichtlich nicht zur Verfügung. Das Fehlen dieser Urkunden in einem mit einer solchen Genauigkeit zusammengestellten Werk, ist dafür ein eindeutiger Beweis.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass man allgemein annahm, der geringe Bestand an Archivalien sei die Folge der vielen Zerstörungen und Kriegseinwirkungen, zumal nachweislich in den letzen beiden Weltkriegen auch noch viele Lobbericher Kunstgegenstände und Unterlagen entweder zerstört oder eingezogen wurden. Dass die Pfarre Lobberich heute über einen beachtlichen Bestand alter Urkunden (bis 1800 sind es ca. 250 Urkunden) verfügt, verdankt sie einem glücklichen Fund im Sommer 1967.

Das Lobbericher Pfarrhaus, ein Bachsteinbau aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts, wurde zwar im Laufe der Zeit oft beschädigt und umgebaut, blieb jedoch in seiner baulichen Grundstruktur und in seinem Verwendungszweck immer erhalten. Nur so war es möglich, dass eine große Anzahl schriftlicher Unterlagen aus früheren Jahrhunderten unbeachtet die Zeit überdauerten.

Beim Herumstöbern auf dem Speicher des Pfarrhauses entdeckte ich im August 1966 ganz zufällig etliche Barock-Missale und andere alte Bücher in einem Schrank, der vollgestopft war mit Restbeständen aus den Hinterlassenschaften früherer Lobbericher Pastöre. Dieser Fund machte mich neugierig. Ich räumte den ganzen Schrank aus, um seinen Inhalt zu sichten. Hierbei machte ich den ersten Urkundenfund. Es handelte sich um ca. 10 in Papier eingewickelte Pergamenturkunden, die unter einem Haufen alter Tapetenreste versteckt waren. Diesem Zufallsfund folgte in den nächsten Monaten eine systematische Durchsuchung aller Schränke und Behältnisse, die nicht mehr oder nur selten benutzt wurden. Dabei tauchten eine große Anzahl Urkunden des 17. Und 18. Jahrhunderts auf, die unter alten kirchlichen Anzeigern in einer Truhe lagen.

Der bedeutendste Fund ist jedoch zweifellos erst im Frühjahr 1967 zu verzeichnen. Es handelte sich um eine verschlossene Blechkiste mit den Maßen 30,5 x 21,5 x 12 cm, die in der äußersten Ecke eines Wandschranken stand. Domkapitular Peter Werth, der seit 1948 Pfarre in Lobberich ist, hatte die Dose noch nie gesehen. Als wir nach einigem Mühen den Deckel ablösen konnten, fanden wir die Dose angefüllt mit über 30 Urkunden des 15. Und 16. Jahrhunderts. Unter diesen befand sich auch das wohl wertvollste Einzelstück des jetzigen Pfarrarchivs, die Marktrechtsverleihung an das Kirchspiel Lobberich vom 12. September 1505 durch den letzten Herzog von Geldern, Karl von Egmond, in ihrer relativ gut erhaltenen Ausfertigung. Diese wichtige Urkunde war bis dahin nur durch eine Einzelkopie und eine Abschrift im Kirchenbuch bekannt, in welchen jedoch die sich auf der Ausfertigung befindliche Aufzählung der Zeugen fehlt. Diese Aufzählung wird weder von Fahne noch von Finken, die beide den vollständigen Text wiedergeben, erwähnt.

Wann diese Urkunden in den Blechkasten gelegt wurden, ist ungewiss, da jeder schriftliche Hinweis in der Dose fehlte.

II. Erläuterungen zur Arbeitsmethode

1. Text und Urkundenbezeichnung

Sämtliche Urkunden der beiden behandelten Jahrhunderte, gleichgültig ob Ausfertigungen oder Einzelabschriften, wurden zuerst chronologisch geordnet und dann fortlaufend durchnummeriert. Diese fortlaufende Nummer der Einzeldokumente ist in der Arbeit mit Dk. Nr. angegeben. Da viele Urkunden in der Ausfertigung und in einer oder auch mehreren Abschriften vorliegen, die natürlich sämtlich eine fortlaufende Dokumentennummer benötigen, erhielten die Ausfertigungen die niedrigere und die Abschriften, in der Reihenfolge ihres wahrscheinlichen Alters, die nächstfolgenden Nummern. Da nun in dieser Arbeit die Texte in Form von Regesten und Abschriften der jeweils ältesten Vorlage dargeboten werden, war die Nummerierung der Regesten gesondert vorzunehmen, zumal auch die nicht mehr in der Ausfertigung oder Abschrift vorliegenden Texte in den beiden Kirchenbüchern berücksichtigt werden mussten, die keine Dokumenten-Nummern erhielten, weil es sich hier um geschlossene Urkundensammlungen handelt. Diese Nummer ist, wie allgemein üblich, unbezeichnet den Regesten vorangestellt und in den nachfolgenden Ganzabschriften der Texte mit Rg. Nr. bezeichnet.

Die Datierung wurde, soweit es mir möglich war, nach dem von Professor Dr. H. Lietzmann und Professor D. K. Aland herausgegebenen Büchlein: Zeitrechnung, Sammlung Göschen, Band 1085, vorgenommen, in Zweifelsfällen oder für mich nicht lösbare Datenangaben verzichtete ich auf eine genaue Auflösung des Datums (so z.B. beim zweimal vorkommenden "Drutteien-dach" oder "derthien-dach", die vielleicht identisch sind. Der Druttein oder Drutteynda ist der 13. Tag nach Heiligabend, slso der 6. Januar).

Den Text habe ich buchstabengetreu, so wie ich ihn aus der Vorlage entziffert habe, in die Abschriften übernommen. Auch die nur selten vorhandene sinngemäße Interpunktion ist den Originalvorlagen entnommen und wurde von mir absichtlich nicht in sämtliche Texte eingeführt, weil ich etwaige Textverfälschungen durch eine von mir eingeführte Interpunktion verhindern wollte. Bei offensichtlichen Sinnabschnitten im Text wurde von mir in der Abschrift ein Absatz gemacht. Auf die willkürliche Groß -und Kleinschreibung in den Textvorlagen habe ich verzichtet und außer Eigennamen, Satzanfängen, besonderen Titeln oder solche Berufsbezeichnungen, die in der Vorlage bewusst groß geschrieben wurden, nur kleine Buchstaben verwendet.

2. Zeichen und Abkürzungen

Folgende Zeichen und Abkürzungen wurden im Text verwendet:

/:........:/ für Einschübe des Schreibers der Vorlage

/-......./- für Auslassungen durch den Herausgeber

.......... für Lücken in der Vorlage

/er/ für zweifelhafte Auflösung von Kürzeln

( ?) für unsichere oder kaum mögliche Entzifferung einzelner Worte

vurschr. = vurschreven = das vorher schon einmal Geschriebene

vurgem. = vurgemelt = das vorher schon einmal Genannte oder Gemeldete.

Bei den Regesten kommen folgende Abkürzungen vor:

ÜA: Überlieferungsart, etwa Ausfertigung oder Abschrift oder evtl. Notiz

BS: Beschreibungsstoff oder beschriebener Stoff

EZ: Erhaltungszustand der Urkunde

Gr: Abmessung des Dokumentes, breit zu hoch

Sgl: Siegel

LO: Lagerort des Dokumentes bzw. der Urkunde oder Abschrift


Anmerkungen

  1. Steeger. Albert: Ein steinzeitlicher Fund in Lobberich, Heimatbuch des Kreises Kempen-Krefeld, 1950, S. 44
  2. Hörnschemeyer, Karl: Lobberich, Eine siedlungsgeographische Untersuchung, S. 15
  3. Johann Finken: Herrlichkeit Lobberich, SS. 1/2
  4. A. Fahne: Grafen von Bocholtz, S. 281
  5. A Fahne: Grafen von Bocholtz, Bd. I. S. 281, Anmerkung 4
  6. A. Fahne: Grafen von Bocholtz, Bd. I. S. 281, Anmerkung 1
  7. Kölner Regesten, SS. 166/167 bzw. 157/158
  8. Hörnschemeyer, SS 1/22
    8a: nachträglich von Herrn Hörnschemeyer verbessert. ursprüngliche (falsche) Version: "opgen Gersberch" (auf dem Geestberg)  
  9. Wasserzieher, Ernst: Woher?, S. 278
  10. Zitzen, R.G.: Scholle und Strom, S 27
  11. Dittmaier, H.: Rheinische Flurnamen, S. 38
  12. Finken, J.: Herrlichkeit Lobberich, S. 40
  13. Kölner Regesten, SS. 166/167
  14. Hörnschemeyer, Karl: S. 22
  15. Finken, J.: Herrlichkeit Lobberich, S. 3
  16. Finken, J.: Herrlichkeit Lobberich, S. 2
  17. Binterim und Mooren: Erzdiözese Köln, S. 240
  18. Norrenberg, P.: Pfarreien der Erzdiözese Köln, Decanat M.-Gladbach, S. 81
  19. Kölner Regesten, SS 166/167
  20. Kölner Regesten: SS. 166/167
  21. Binterim und Mooren, Erzdiözese Köln, I. S. 243
  22. Im großen und ganzen folge ich hier den Ausführungen von J. Finken, Herrlichkeit Lobberich, SS. 128/130
  23. Binterim und Mooren, Erzdiözese Köln, S. 222
  24. Binterim und Mooren, Erzdiözese Köln, S. 223
  25. Finken, J.: Herrlichkeit Lobberich, SS. 60/63
  26. Kirchenbuch I., S. 4
  27. Finken, J.: Herrlichkeit Lobberich, S. 149
  28. A. Fahne, Bocholtz, Bd. II. S. 90, S. 102
  29. A. Fahne, Bocholtz, Bd. II. S. 98
  30. Finken, J.: Herrlichkeit Lobberich, S. 150
  31. A. Fahne, Bocholtz, Bd. II. S. 116
  32. A. Fahne, Bocholtz, Bd. II., S. 54
  33. A. Fahne, Bocholtz, Bd. II., S. 179
  34. Urbare von St. Panthaleon in Köln, I., S. XXII.
  35. A. Fahne, Bocholtz, Bd. I., S. 321
  36. A. Fahne, Bocholtz, Bd. I. S. 334
  37. A. Fahne, Bocholtz, Bd. I. S. 321
  38. A. Fahne, Bocholtz, Bd. I. S. 325
  39. A. Fahne, Bocholtz, Bd. I. S. 326
  40. A. Fahne, Bocholtz, Bd. III. S. 47
  41. Finken, J.: Herrlichkeit Lobberich, SS. 178/179
  42. Clemen, Paul: Baudenkmäler der Rheinprovinz, Bd. I. SS. 104/107
  43. Clemen, Paul: Baudenkmäler der Rheinprovinz, Bd. I. S. 104
  44. A. Fahne, Bocholtz, Bd. I.
  45. Clemen, Paul: Baudenkmäler der Rheinprovinz, Bd. I. SS. 105/106
  46. Finken, J.: Herrlichkeit Lobberich, S. 131


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