"Einblick"
Das Fastentuch der Pfarre St. Sebastian
von Barbara Hüskes

1. GEBURT /AUFERSTEHUNG
(Lukas 2,15.18 / 24,1-8)

Was hier zu sehen ist, scheint zunächst einmal fragwürdig.  Mehrere Menschen stehen da in einer Höhle.  Einer wandert auf den Horizont zu.  Was tun sie dort?  Warum treffen sie sich an diesem Ort?  Was gibt es da zu sehen?  Warum geht da einer weg?
Es sind Maria und Josef, die bei dem Jesuskind stehen. Es sind die Hirten, die dem Ruf des Engels gefolgt sind und das Kind in der Krippe aufsuchen. Es ist  aber auch das Grab Jesu, welches die Frauen leer vorfanden, als sie seinen  Leichnam salben wollten.

Beides ist möglich, das Bild vereint diese zwei Geschehnisse miteinander, genauso, wie Geburt und Tod, Geburt und Auferstehung miteinander verbunden sind.

Betrachten wir die Höhle etwas näher.
In der Höhle ist es dunkel und eng, die Felsbrocken erscheinen kalt und ungemütlich.
Auf einem dieser Steine sitzt ein Mensch, der ein grünes Gewand an hat. Er schaut ratlos vor sich hin. Ist es sein Zuhause, wo er sich da befindet: Macht er Rast oder ist er erschöpft?

Irgendwie wirkt er versteinert.
Er traut sich nicht aus seiner schützendenden Behausung heraus. Hell leuchtet ein Licht vor seinen Füßen. Es breitet sich aus, dringt nach draußen. Er kann seinen Blick noch nicht ganz dorthin wenden.

Es ist das Licht Christi, das dort scheint.
Es ist das Licht, welches ihn ermutigen kann, einen Schritt ins Ungewisse, ins Uneinsichtige zu wagen. Die zwei Menschen am Höhlenausgang haben diesen Schritt schon gewagt. Der mit dem blauen Gewand blickt noch einmal zurück, als müsse er Abschied nehmen von etwas Vertrautem.

Sein Nachbar hat sich schon umgedreht. Er verläßt die Höhle.
Es ist das Licht, das ihn aus der dunklen Behausung herausgelockt hat.
Es ist das Licht, das den Ausgang weiter und durchgängiger gemacht hat.
Es ist das Licht, welches seinen Blick nach draußen gelenkt hat, in die Helligkeit, ins Leben, auf den Weg, auf den Gott ihn sendet.
Einer ist schon ein Stück auf diesem Weg gewandert.
Wer weiß, was er schon alles erlebt und gesehen hat?

Er geht diesen Schritt ins Ungewisse. Hinein in den kleinen Ausschnitt seiner Zukunft. Er weiß nicht , wohin ihn dieser Weg führt. Er hat sich entschieden, ihn zu gehen und er tut dies im Vertrauen auf Gott, in der Gewissheit, daß er vom Licht Jesu begleitet wird.

Haben ihm die lichten Gestalten, die hier rechts an der Höhlenwand stehen, geholfen? Sind sie in ihrem Leben dem Ruf Jesu gefolgt und wagten sich sogar in die Dunkelheit, um ihm bei seinem ersten Schritt ins Licht, ins Leben zu helfen?


Ich weiß, dass der tägliche Schritt ins Ungewisse nicht immer leicht ist.
Es bedeutet eine immerwährende Veränderung in mir, ein Loslassen von alten Begrenzungen, überholten Verhaltensweisen und liebgewordenen Gewohnheiten.

Wie oft fühle ich mich schutzlos dem Leben ausgeliefert, traue mich aus meinem Loch nicht mehr heraus und bin verzagt. Es ist so, wie in meinem Bild: ich laufe auf den Horizont zu, an dem ich die Berge zwar sehen kann, aber nicht weiß, was mich erwartet, wenn ich sie erreicht habe. Mit Sicherheit weiß ich, daß Gott es ist, der mich dabei hält und trägt.

2. TAUFE (Mattäus 3,13-17)

Eines Tages kam Jesus an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen.
In dem Fluß, in dem die Taufe stattfindet, liegen kleine und große Steine.
Sie verhindern ein gleichmäßiges Fließen. Sie wirbeln das Wasser auf, bringen Einiges durcheinander, machen Angst.. Es sind Hindernisse auf dem Weg, der das Leben bedeutet.
Manchmal erscheinen diese Steine allzu groß, die Uferböschungen sehr hoch. Sie versperren die Sicht in die Weite und lassen den Eindruck entstehen, alles verengt sich, kein Aussteigen, kein an Land schwimmen ist möglich.

Jesus steigt in diesen Fluß und läßt sich von Johannes taufen. Er kniet vor einem Stein nieder, faltet die Hände und betet.
Johannes legt seine Hände auf Jesu Haupt. Ein Lichtschein verbindet die Beiden und läßt sie eins werden in der Liebe Gottes.
Sie hören seine Stimme, die zu Jesus sagt. "Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe."

Jesus weiß: Er ist angenommen von seinem Vater und dieses Wissen gibt ihm Vertrauen in seinem Leben. Aus der Gottesliebe gewinnt er Kraft, Freiheit und innere Stärke für sein Leben. Er kann es wagen. in die Fluten des Lebens einzutauchen, denn jetzt ist ein Fließen, ein Geschehen-lassen der Ereignisse möglich, in der Gewissheit, dass er dabei nicht alleine ist. Der heilige Geist, der sich in Gestalt einer Taube auf seinem Haupt niederlässt, begleitet ihn über alle Hindernisse. Er kann sich im Fluss des Lebens weitertragen lassen - ohne Angst. Die Steine scheinen nicht mehr unüberwindbar zu sein.

Die drei Gestalten am Flussufer trauen sich nicht ins Wasser hinein. Ihnen fehlt der Glaube an die Gottesliebe. Sie schauen ängstlich aus der Entfernung zu, auf die Steine vor sich, auf Jesus und Johannes, die sich wissend in das Leben stürzen. Vielleicht finden sie ja den Mut, ihnen zu folgen, anstatt nur Zuschauer zu bleiben.


Ich weiß: wenn ich das Licht und die Liebe Gottes angenommen habe, dann ist es als ob ich erwache. Angenommen zu sein, so wie ich bin. von Gott, der nicht fragt: Was bist du? - Wer bist du? - Wie bist du?

Das gibt mir den Mut, mich vorwärtstreiben zu lassen, mich zu neuen Ufern aufzumachen.

3.VERSUCHUNG (Mattäus 4,1-19)

Jesus wird vom Geist in die Wüste geführt und muss sich dort der Versuchung durch den Teufel stellen. Um ihn herum türmen sich die Steine, die ihm schon öfters in seinem Leben begegnet sind, zu scheinbar unüberwindbaren Bergen auf. Einsam kniet er eingeengt in einer Schlucht. Das Leben hat ihn in einen Abgrund geführt. Niemand ist da, nur der Versucher, der zu ihm spricht. Er will ihn von seinem Weg, den er sich entschieden hat zu gehen, abbringen.

Jesus kniet am Boden, aber seine Haltung ist nicht ängstlich, nicht verzweifelt, nicht wütend. Nein, er öffnet sich in seiner ganzen Körperhaltung. Er verschließt sich nicht vor lauter Angst, sondern er stellt sich der Situation voller Kraft. Er weiß um die Liebe seines Vaters. Seine Arme strecken sich Gott, dem Licht, den Engeln, entgegen. Dies allein ist der Ausweg aus der Schlucht. Auch ich gerate durch verschiedene Erfahrungen und Situationen in Versuchung , meinen Glauben, mein Vertrauen, und mein Ziel zu verlieren. Oft legt sich dann die Verzweiflung und die Angst wie ein roter Schleier über meine Wahrnehmung.


Ich verliere die klare Sicht auf mein Leben, ich renne dann über alles hinweg, werfe alles über Bord, lasse alles hinter mir. Ich stelle alles in Frage, was bis dahin noch gut war. Ich möchte mich am liebsten verkriechen, mich verstecken, alleine sein.

Es ist die Selbstverständlichkeit, das Selbstbewusstsein, die entspannte Haltung. die Stärke durch die Jesus mich staunen läßt und mir Mut macht, schwierige Situationen im Leben zu überwinden und in Gottes Hände zu legen.

4. BERGPREDIGT (Mattäus 5,1-11)

Jesus zog durch Galiläa, lehrte, verkündete das Evangelium, heilte Kranke und Besessene. Viele Menschen zog er an, Menschen, die sich nach Liebe und Heilung sehnten, aber auch solche, die ihn ablehnten, die ihn vernichten wollten. Und als er all diese Menschen sah, stieg er auf einen Berg und belehrte seine Jünger seine Nachfolge anzutreten.

Der Platz an dem Jesus hier steht, ist Licht. Es geht von ihm aus, auf jeden der in seiner Nähe ist. Das Licht Gottes bindet jeden ein, der sich auf ihn einlässt. Die Menschen die aus der Fremde zu ihm kommen, wissen dies und gehen ganz bewusst auf Jesus zu.

Da ist ein Ehepaar mit einem Kind. Sein Vater hat es zu Jesus geschickt, damit er es segnet. Hinter Jesus steht eine Frau im orangen Gewand. Sie hat auch ein Kind an ihrer Seite und berührt Jesus zaghaft am Ärmel. Sie scheint sagen zu wollen: Bitte, dreh dich um, wende Dich mir zu.

Und Jesus wird sich ihr zuwenden. Jesus wendet sich jedem Menschen zu. Sein Licht berührt auch die Menschen, die ausgegrenzt sind. Zu seinen Füßen, hinter einer Mauer liegt ein Mensch am Boden. Er ist erschöpft, nicht mehr in der Lage alleine aufzustehen.
Aber da ist jemand bei ihm. Eher hilflos hält er den Kopf des Kranken in seinen Händen. Die Situation scheint für ihn ausweglos zu sein.

Die anderen Menschen, die bei Jesus stehen, können diese Beiden nicht sehen.
Aber ich als Betrachter dieses Bildes, ich kann es. Ich kann meinen Blick den beiden Menschen zuwenden. Ich sehe, was sich dort abspielt.

Ich bin aufgefordert, die Nachfolge Jesu anzutreten.
Das Wort, die Gottesliebe, meine Liebe zu eben diesen Menschen zu tragen.
Zu Menschen, die sich hinter Mauern verstecken, die verzweifelt sind, erschöpft sind. Zu jedem Menschen.

5. MITTE

Ein leuchtendes Kreuz bildet das Zentrum dieses Bildes. Es steht für den Tod, den Jesus am Kreuz starb und durch den er uns die Erlösung brachte.
Sein ganzes Leben hindurch wusste Jesus sich von seinem Vater begleitet, und so sind auch alle Bilder auf diesem Tuch mit der Mitte, mit Gott verbunden.

Im Zentrum des Kreuzes öffnen sich zwei segnende Hände. Es sind die Hände Gottes. Sie halten einen leuchtenden Kelch. Es ist seine unendliche Liebe für die Menschen, in der jeder Platz findet.

Viele Menschen stehen an diesem Kelch. Alle werden von Gottes Liebe umfangen und erhellt.

Wer die Mitte sucht, findet Gott.

B. Hüskes


Die Künstlerin hat hier eine eigene Seite über des Fastentuch erstellt.


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