Geschichte des Kirchenchores St. Sebastian Lobberich 1841-1941

V. Kapitel:
Die Zeit der großen Veränderungen nach 1965

Buch S. 77

Mehrstimmiger Gesang nach 1965

Während der Orgelbau langsam voranschritt, gelang es, Mitglieder zu werben, so daß Weihnachten 1966 J. Haydns „Missa m honorem St. Joannis de Deo“ mit chesterbegleitung vorgetragen wurde.
Der Tag der Orgelweihe am 29. Oktober 1967 war für die ganze Gemeinde ein bedeutendes Ereignis: Das mit so vielen Spenden vorbereitete Werk der Mekrsteiner Orgelbauer Lorenz und Koch beendete nicht nur eine 5jährige Phase des Behelfs, sondern ermöglichte Orgelmusik aller Epochen und Schwierigkeitsgrade. Dem Chor stand ein hervorragendes Begleitinstrument zur Verfügung.
Die Orgel besitzt 51 klingende Register mit 3882 Pfeifen, sie hat 3 Manuale und das Pedal. Entwurf, Mensuration und Intonation wurden von Hans Koch besorgt. Beide gemeinsam gestalteten den Spieltisch. Die Disposition des Gesamtwerkes stammt von Herbert Voss dem Domorganisten von Aachen. Am Einweihungstag, der gleichzeitig Gedächtnistag an mehr als 125 Jahre Vereinsgeschichte sein sollte, erklang Kromolickis 2. Festmesse für Chor und Orgel.

Disposition der Orgel:

Herbert Voss, Domorganist, Aachen
Die Orgel hat 51 klingende Register mit 3882 Pfeifen
Die Orgel wurde gebaut durch die Merksteiner Orgelbauanstalt
Sankt Willibrord, Merkstein bei Aachen.

Hauptwerk 1. Manual
1. Ged. Pommer 16'
2. Prästant 8‘
3. Hohlflöte 8'
4. Principal 4'
5. Blockflöte 4'
6. Nasard 2 2/3'
7. Superoktav 2'
8. Terz 1 3/5'
9. Mixtur 1 1/3 , 6-7 f.
10. Acuta 11/2‘ 4-5 f.
11 . Franz. Trompete 8'
12. Clarino 4'
Rückpositiv 3. Manual
l. Principal 8'
2. Holzgedackt 8'
3. Oktave 4‘
4. Koppelflöte 4'
5. Waldflöte 2'
6. Quinte 1 1/3.
7. Principal l'
9. Zimbel 1/2' 3f.
10. Musette 8'
Brustwerk 2. Manual
1. Zinnoktav 8‘
2. Spitzgambe 8‘
3. Schwebung 8‘ abc
4. Bleigedackt 8‘
5. Quintade 8‘
6. ltal. Principal 4‘
7. Holzflachflöte 4‘
8. Bauernpfeife 2‘
9. Gemshorn 1‘
10. Glöckleinton 4/3 – 2/3‘
11. Scharff 1‘ 5f
12. Oberton 2/1‘ – 2/3‘
13. Terzzimbel 1/6‘ – 3f
14. Dulcian 16’
15. Rohrschalmay 8‘
16. Trompete 4’
Pedal
l. Principal 16’
2. Subbass 16’
3. Ged. Pommer 16’
4. Quintbass 10 2/3’
5. Oktave 8’
6. Sifflöte 8’
7. Choralbass 4’
8. Hohlflöte 4‘
9. Principal 2’
10. Hintersatz 2 2/3‘ 6f
11. Bombarde 16‘
12. Trompete 8‘
13. Schalmay 4‘
14. Cornett 2‘
  • Entwurf, Mensuration und Intonation : Hans Lorenz
  • Windladen, Technik und Gehäuse: Hans Koch
  • Spieltisch: Merksteiner Orgelbauanstalt

In einer musikalischen Feiertstunde am Nachmittag führte der Münsterkantor von Mönchengladbach, Viktor Scholz die Orgel in ihren Möglichkeiten vor. Er trug Werke Alter und euer Meister vor, improvisierte und begleitete den Chor. (65)
Im folgenden Halbjahr erklang die Festmesse von Kromolicki noch viermal, seitdem wurde sie nicht mehr aufgeführt. Offensichtlich blieb die im spätromantischen Stil geschriebene Werk dem Chor fremd.
Am Weihnachstage hörte die Gemeinde die Messe in G-Dur von Franz Schubert und im folgenden Jahr ebenfalls zum Geburtsfest des Herrn die „Missa brevis in D Dur" für Chor, Orchester und Orgel von W. A. Mozart.
Eine Einladung von Viktor Scholz nach einer kirchenmusikalischen Andacht am 31. Januar 1968 die dieser mit dem Chor gestaltete im Gladbacher Münster zu singen, wurde nicht angenommen.

1969 wurde keine neue Messe einstudiert. In der Generalversammlung vom 30. November 1969 wurde die Neugestaltung der Liturgie besprochen. Dabei kamen auch die seit dem 2. Juli 1968 in der Alten Kirche im monatlichen Turnus nach dem Vorbild holländischer Gemeinden stattfindenden Jugendmessen im Beatrhythmus zur Sprache.

1970 erkrankte der Chorleiter längere Zeit, es wurde aus dem Repertoire unter Michael Wilden Grefrath, gesungen.
Im folgenden Jahr kamen zu Ostern Teile aus der „Deutschen Festmesse" von Aloys Müller zur Aufführung. Auch in der Weihnachtsmette dieses Jahres hörte die Gemeinde nur Teile dieser Messe. Immerhin bedeuteten diese Aufführungen den Versuch die tradierte Form de mehrstimmigen lateinischen Hochamtes durch eine gewisse Ergänzung in der Muttersprache zu erweitern.
Der Verein schrumpfte auf weniger al 30 Mitglieder zusammen, so daß zu Allerheiligen auf dem Friedhof nicht gesungen werden konnte. Weihnachten 1972 trugen insgesamt 26 Damen und Herren in der Mette Mozarts „Missa brevis in F-Dur" vor.

Am 1. April 1973 erhielt die Pfarre Herrn Dechanten Johannes Torka als neuen Pastor für den in Ruhestand tretenden Dechanten und Domkapitular Peter Werth.
Zur Einführung des neuen Pastors und Präses sangen die vereinigten Chöre von Lobberich und Hinsbeck van Nuffels „Missa in honorem sanctissimi cordis Jesu" (ohne Gloria).

Die am 2. Weihnachtstag 1974 gesungene Pastoralmesse von Kempter war zuletzt 1962 in einem feierlichen Gottesdienst erklungen. Mit der seit 1972 nicht mehr vorgetragenen „Missa, pax vobis" von Franz Philipp erfreute der Chor die Gemeinde.

Ostern 1975. In diesem Jahr stand die Kirche infolge von Renovierung arbeiten für Gottesdienste bis Weihnachten nicht zur Verfügung. In der Weihnachtsmette erklangen daher nur Motetten.

Am 3. April 1976 und am folgenden Sonntag, dem Tag der Altarweihe durch den Diözesanbischof Klaus Hemmerle, führten die Sängerinnen und Sänger erstmals Alexander Gretschaninoffs „Missa festiva" auf. Diese spätromantische Komposition wurde in der folgenden Zeit mehrmals gesungen, so bei der Verabschiedung des Dirigenten Heinz Spratte am 10. Oktober 1976 und beim 100jährigen Bestehen des Nachbarvereins St. Clemens Kaldenkirchen.

Wolfgang Seifen
Nachfolger als Chorleiter und Organist wurde Wolfgang Seifen, der im Sinne der von ihm vor dem Chor in der Generalversammlung vom 14. Januar 1977 entwickelten Vorstellungen daranging liturgisch wertvolle Werke aller wichtigen Epochen zu erarbeiten. Zu Weihnachten steuerte der Chor die „Missa sine nomine" von Bernabei bei. Diese barocke A-capella-Komposition war auch der liturgische Beitrag, den der Chor anläßlich einer Rundfunkübertragung des Westdeutschen Rundfunks zum Volkstrauertag 1977 aus der Kirche St. Sebastian leistete (siehe Seite 90).
In die moderne Musiksprache führte der Chorleiter durch seine eigene Komposition „Benedixiti domine" und dann durch die Arbeit an Max Reger Kantate „0 Haupt voll Blut und Wunden" und Ottmar Faulstichs Messe für Chor Orgel Pauken und Röhrenmetallophon ein. Das Werk Regers wurde in einer kirchenmusikalischen Feierstunde zur Fastenzeit am 20. März 1977 mit Seifens Komposition „Straf mich nicht in deinem Zorn" eindrucks voll vor leider nicht mehr als 100 Zuhörern gesungen. Die Messe von O. Faulstich fand bei den Gläubigen, die an der österlichen Auferstehungsfeier oder am Festhochamt de 1. Feiertages teilnahmen, nur teilweise Zustimmung. Immerhin regte die Komposition die Sängerinnen und Sänger zum Nachdenken über moderne Meßkompositionen an. Zum We1hnachtsfest 1977 wurde die Messe in d-Moll von J. B. Hilber für Chor, Sopran- und Baßsolo mit Orchester neu erarbeitet. Gleich nach dem Geburtsfest des Herrn begannen die Vorarbeiten für die Aufführung der Leidensgeschichte nach Matthäus von Heinrich Schütz. Das A-capella-Werk hinterließ bei den zahlreichen Zuhörern einen tiefen Eindruck so daß es in der Karfreitagsliturgie in leicht gekürzter Form erneut vorgetragen wurde. Dabei zeigte ich jedoch daß manche Gläubige ich nur schwer auf die durch Solisten und Chor gesungene Leidensgeschichte, die den gewohnten Zeitrahmen sprengte, einstellen konnten. Bei den Aufführungen übernahmen Damen und Herren de Chore Solopartien, der Präses Herr Pastor Torka sang am Karfreitag den Part des leidenden Herrn.

Zu einem vorweihnachtlichen Konzert am 17. Dezember 1978 versammelten sich etwa 250 Zuhörer in der Kirche. Dem Eingangschor au J. S. Bach Weihnachtsoratorium folgten die Kantate Alles was ihr tut on D. Buxtehude und die Messe in C-Dur von C. Eberlin für Chorsolostimmen und Orchester. Am Ende dankten die Zuhörer mit herzlichem Beifall. Dieser galt neben dem Chor und seinem Leiter den Damen und Herren des Chores die solistisch hervorgetreten waren und dem meist aus jüngeren Mitgliedern bestehenden Orchester. Die Zusammenarbeit mit Musikern, die als fortgeschrittene Schüler der Kreismusikschule oder anderer Einrichtungen mit einigen Lehrern gegen angemessene Bezahlung zur Verfügung standen, war seit 1970 an die Stelle gemeinsamer Arbeit mit Instrumentalisten aus Tegelen getreten.
Flor Peeters, belgischer, noch lebender Komponist aus Flandern, hat die auf Choralbasis gestaltete vierstimmige Messe für Chor und Orgel „in honorem St. Josephi" geschrieben. Mit diesem Werk stellte sich der Chor am 14. April 1979 in der Auferstehungsfeier und am folgenden 1. Ostertag im Festhochamt seiner liturgischen Aufgabe. Zu der schlichten Musiksprache dieser Messe kontrastierte der wuchtige Psalm 150 von Cesar Franck, bei dessen Vortrag die Sängerinnen und Sänger stellenweise den Eindruck hatten, ihr Fortissimo werde von den gewaltigen Klangmassen der Orgel verschlungen.
Obwohl der Chor immer wieder neue Messen, Motetten und andere liturgische Gesangeeinstudierte, wurden auch Werke aus dem Repertoire überarbeitet und gesungen, so die „Missa in G" von Casali, die „Missa festiva" von A. Gretschaninoff die Messe in d-Moll von J. B. Hilber und Weihnachten 1979 die Missa brevis in F-Dur „von W. A. Mozart."

Am 30. November 1980 vereinigten sich der Kirchenchor, die überörtlich zusammengesetzte „Capella cantica", Solisten, darunter auch Vater und Sohn Feyerabend, und ein Studentenorchester aus Aachen, um die Adventszeit mit J. S. Bachs Kantate zum 1. Advent „Nun komm der Heiden Heiland" zu eröffnen. Etwa 500 Gläubige waren m das Gotteshaus gekommen. Alle Sängerinnen und Sänger wie auch die Musiker, gaben ihr Bestes.
In der Weihnachtsmette, die am 24. Dezember um 22 Uhr begann, und im Festhochamt des 1. Feiertages sang der Chor die „Missa solennelle" von Louis Vierne, einem Komponisten der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Das Werk ist für zwei Orgeln geschrieben. Da in St. Sebastian keine 2. Orgel zur Verfügung steht, wurde ersatzweise eine kleine Orchesterbesetzung eingesetzt. Der Chor stand hinter dem Zelebrationsaltar. Die Messe trug wesentlich zum festlichen Charakter des Hochamtes bei; dennoch waren nicht alle Gläubigen damit einverstanden, daß Orchester und Singgemeinschaft neben den zahlreichen Meßdienern den Chorraum so füllten, daß der weihnachtliche Schmuck nicht recht zur Geltung kam.


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